Engagement

No Corrida – mein Engagement gegen Stierkampf:

No Corrida – mein Engagement gegen Stierkamp

stierkampf

Besuch bei der Flamenco-Tänzerin Alya Al-Kanani

Am 19. Juni 2006 besuchten wir in Begleitung einer befreundeten Journalistin die Flamenco-Tänzerin Alya Al-Kanani in ihrem Tanzstudio in Braunschweig.

Das Ziel unseres Besuches war vor allem, uns einen persönlichen Eindruck von ihr zu verschaffen. Vor unserem Besuch waren wir schon etwas über ihre Person und ihr Antistierkampf-Tanzstück durch Telefonate mit ihr, ihrer Homepage und durch einen Artikel in der Flamenco-Zeitschrift „Anda“ informiert. Der folgende Bericht ist eine Zusammenfassung der Eindrücke, die wir während unseres Besuches und aus den vorher erhaltenen Informationen gewonnen hatten.

Das Studio von Alya befindet sich in einem etwas alternativ geprägten Stadtviertel am Rande der Innenstadt Braunschweigs. Die Eingangstür zu ihrem Studio, die sie offensichtlich nur bei Schlechtwetter oder wenn sie abwesend ist, verschließt, war schon geöffnet. Alya bereitete uns einen sehr herzlichen Empfang. Gleich von Anfang an bestand zwischen uns ein guter Kontakt. Alya ist eine sehr charmante, offene und lockere Person. Sie lacht gerne und ist nicht verbissen in ihrem Einsatz für die Tiere. Während unserer Unterhaltung bezog sie sich oft ohne unseren Anstoß auf Fragen des Stierkampfs zu sprechen. Das zeigte uns, dass sie ernsthaft engagiert und tief berührt von ihren Erfahrungen in Spanien ist.

Alya ist in Deutschland geboren. Ihre Mutter ist deutschen und ihr Vater irakischen Ursprungs. Wie viele Kinder erlernte sie auf Initiative ihrer Eltern die Grundzüge des klassischen Tanzes. Später folgte eine professionelle Ausbildung und danach fand sie ein Engagement am Stadttheater von Braunschweig. Ein Schlüsselereignis war für sie ihre Rolle in dem Theaterstück „Bluthochzeit“ von Federico Garcia Lorca, in dem sie ihre Leidenschaft für den Flamenco entdeckte.

Kurz entschlossen reiste sie nach Madrid, wo sie sich in der international renommierten „Academia Amor de Dios“, einer der ältesten Flamenco-Schulen der spanischen Hauptstadt, einschrieb. Viele der bekanntesten Flamenco-Tänzer besuchten diese Schule. Sie war Meisterschülerin von Tomás de Madrid und anderen Lehrern höchsten Niveaus. Wenn ihr Geld fehlte, um die Kurse zu bezahlen, kehrte sie nach Deutschland zurück, um in der Fabrik zu jobben.

In Madrid war Alya davon geschockt, dass die Corrida überall im öffentlichen Leben gegenwärtig war und das besonders im Flamenco-Millieu. Wenn sie in die Stadt ging, versuchte sie Orte zu vermeiden, wo der Stierkampf offensichtlich war. Das war nicht einfach! Sie sah sich niemals einen Stierkampf an und wendet sich kategorisch gegen die Meinung, „um vom Stierkampf zu reden, muss man ihn mindestens einmal gesehen haben“, und entgegnet, „um den Geschmack eines faulen Eis kennen zu lernen, muss man es nicht essen“. Außerdem fürchtet sie, beim ersten „Olé“ dem nächst stehenden Aficionado ins Gesicht zu schlagen. Diese Äußerungen zitieren wir, um etwas ihre Persönlichkeit zu charakterisieren.
Nach ihrer Ausbildung in Madrid eröffnete sie ihr Flamenco-Studio in Braunschweig und hatte damit Erfolg trotz eines anderen Studios in der Stadt. Als Choreografin inszenierte sie mehrere Flamenco-Stücke, tanzte mit Timo Lozano, Tomás de Madrid, Zenón und anderen Flamenco-Größen. Erst kürzlich, Anfang 2006, inszenierte sie in der Tradition des „flamenco puro“ das Tanzstück „flamenco en el tiempo sin flores“ mit fünf renommierten spanischen Künstlern.

Der Flamenco, den sie darstellt, hat nichts mit den folkloristischen Darbietungen und den bunten sevillianischen Kostümen zu tun. Für Alya ist der Flamenco ein Ausdruckstanz, mit dem die tiefsten Gefühle über Leben und Tod, Liebe, Eifersucht und Traurigkeit ausgedrückt werden. Alter und Schönheit der Darsteller haben überhaupt keine Bedeutung. Im Gegenteil, es gibt sehr alte Tänzer und Tänzerinnen, die ihre innere Schönheit in einer eindrucksvollen Art und Weise offenbaren. Der Flamenco besitzt eine besondere Ästhetik, die nicht mit den Tänzen, die bei „Ferias“ dargeboten werden, vergleichbar ist

Ihr Stück „Antitaurinísmo“, das uns besonders interessierte und der Grund für unseren Ausflug nach Braunschweig war, wurde von Alya das erste Mal im Jahre 2002 und dann nicht wieder aufgeführt. Die ersten Aufführungen in Braunschweig, Hildesheim und Göttingen waren ein voller Erfolg. Leider musste sie das Stück abbrechen, da ihrem spanischen Tanzpartner der Mut verlassen hatte. Er mochte sich nicht mit dem Stück identifizieren. Nach dieser schlechten Erfahrung war sie sehr enttäuscht, wenn nicht sogar deprimiert. Noch heute ist sie darüber traurig. Wir ermutigten Alya alles zu unternehmen, um ihr Tanzstück wieder auf die Bühne zu bringen, und dazu wünschen wir ihr viel Erfolg.
Anke und Karl Daerner
Alya ist immer noch auf der Suche nach einem professionellen Partner, um mit ihrem Stück weiterhin das entsetzliche Leiden des Stieres auf der Bühne darzustellen.

Veröffentlicht auf: www.flac-anticorrida.org